Aktualisiert am by Tirolturtle Barbara Egger

Roland Liebscher-Bracht hat in Innsbruck  sein Buch „Die Arthroselüge“ und die Liebscher und Bracht Schmerztherapie vorgestellt. 

Am 14. November 2017 war Roland Liebscher-Bracht in Innsbruck zu Gast. Im Rahmen eines Vortrages im Hotel Europa stellte der deutsche Schmerztherapeut sein Buch „Die Arthroselüge“ vor. Österreichs Arthrose & Lifestyle Bloggerin Barbara Egger/Tirolturtle und Gründerin der Plattform Arthrose Forum Austria hat den Vortrag besucht.

Beim Betreten des Veranstaltungsortes, dem Barocksaales im Hotel Europa in Innsbruck ist man fürs Erste etwas erstaunt. Die überwiegende Besucherschar ist deutlich jünger, als man es bei Arthrose-Betroffenen vermuten würde. Eine Befragung der Sitznachbarn – eine Traube sehr junger Leute – ob sie denn von Arthrose betroffen wären ergibt: Natürlich nicht. Und die Vermutung, dass es sich bei der Gruppe um Physiotherapeut*innen handelt, wird auch umgehend von den jungen Leuten bestätigt.

Dann startet auch schon der Vortrag von Roland Liebscher-Bracht. Seine Thesen vertritt der deutsche Schmerzspezialist mit Verve und man ist geneigt zu sagen, auch mit sehr großem Selbstbewusstsein. Denn immerhin ist Roland Liebscher weder Arzt noch Physiotherapeut, sondern kommt, wie er selbst erzählt aus der Technik und dem Maschinenbau. Roland Liebscher darf auch nicht selbst behandeln. Beziehungsweise darf er das nur in Gegenwart seiner Frau einer Allgemeinmedizinerin, wie er dem Publikum mitteilt. Im O-Ton sagte er dazu: „Ich passe auf. Ich weiß inzwischen, dass es Leute gibt, die mich auffliegen lassen wollen.“

Highlights vom Liebscher und Bracht Arthroselüge Vortrag 

  • Insgesamt ist der Vortrag von Roland Liebscher etwas technisch aufgebaut bzw. wird mehr und mehr klar, dass sich der Arthroselüge Vortrag in Innsbruck in erster Linie an Physiotherapeuten und Ärzte richtet. Das Publikum scheint aber bunt gemischt zu sein bestehend aus Physiotherapeut*innen, Betroffenen und Interessierten und wohl auch einigen Medizinern. Genauer lässt sich dies nicht verifizieren. 
  • Während des Vortrages präsentiert Roland Liebscher-Bracht naturgemäß sein Behandlungsmodell. Wie bei seinem Auftritt in der TV-Sendung ORF-Konkret vom Vortag verweist er auch vor dem Innsbrucker Publikum auf eine holländische Studie. Diese zitiert der Schmerztherapeut gerne, wenn es um das Erklärmodell der Liebscher & Bracht Schmerztherapie geht. Mehr darüber in unserem Blogbeitrag Die Arthroselüge von Liebscher und Bracht
  • Im Rahmen der Veranstaltung macht Liebscher naturgemäß ausgiebig Eigenwerbung für sein neu erschienenes Buch „Die Artroselüge“ und die von Liebscher & Bracht für Physiotherapeuten, Heilpraktiker, etc. entwickelte viertägige Schmerztherapie-Ausbildung.

 

  • Am Schluss demonstriert Roland Liebscher-Bracht am lebenden Versuchsobjekt – sprich Betroffene, die sich nach Aufforderung freiwillig melden – wie er vorgeht, um vorhandene Schmerzen zu therapieren. Dazu stellten sich jeweils Betroffene mit Knieschmerzen, Rücken- und Nackenschmerzen zur Verfügung.
  • Der Dame mit Knieschmerzen erklärte Roland Liebscher nach wenigen Minuten, dass deren Knie nicht wegen Arthrose schmerze, sondern wegen Fehlspannungen der Faszien und Muskulatur. Er könne ihr geholfen werden und die Dame möge einen Liebscher & Bracht Schmerztherapeuten aufsuchen.
  • Wie Roland Liebscher-Bracht im Vortrag ausführt, kostet eine einstündige Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht (zumindest bei Herrn Liebscher selbst) 450,– Euro. Doch funktioniere die Osteopessur-Therapie so, dass sie bereits nach einer Sitzung wirke. Die Betroffenen müssten aber konsequent die gezeigten Übungen daheim ausführen.

 

  • Das System der Liebscher & Bracht Schmerztherapie sei für Therapeuten in vier Tagen erlernbar und ermögliche es, damit Resultate zu erzielen, wie diese Roland Liebscher-Bracht selbst erzielen würde, der diese Therapie nach eigenen Aussagen seit 25 Jahren äußerst erfolgreich anwende. Darüber hinaus würde bereits von über 3.000 Therapeuten in Ö, D und der Schweiz die L&B Therapie praktiziert.
  • Jetzt meldet sich eine Dame aus dem Publikum und sagt, dass sie eine Liebscher & Bracht Therapie wegen Nackenschmerzen gemacht habe, jetzt zwar keine Nackenschmerzen mehr habe, dafür aber Schulterschmerzen bzw. einen Schmerz im Oberarm. Roland Liebschers Antwort darauf: „Gehen Sie wieder zum Therapeuten und lassen sich auch die Schulter nach L&B therapieren.“ Für ihn ergäbe das eine logische Entwicklung. Das Aufweichen der Spannungen im Nacken hätten eben weitere Spannungen zu Tage gefördert.

 

Kritik am Liebscher und Bracht Arthroselüge Vortrag

  • Was wir am Liebscher und Bracht Auftritt in Innsbruck kritisieren möchten, ist der doch etwas marktschreierische Auftritt und das mit offensivem Marketing verbundene Heilversprechen und die im Raum stehende „Arthroselüge“. An dieser hält Roland Liebscher im Rahmen des Arthroselüge Vortrages in Innsbruck felsenfest. Wohl auch weil es keinen Widerspruch aus den Zuhörerreihen gibt. 
  • Unterstützend wirkt dabei sicherlich auch die starke Präsenz der Online-Plattform Liebscher & Bracht in den sozialen Medien. Mit über  400.000 Fans auf Facebook, über 450.000 YouTube-Abonnenten, 125.000 Instagram-Followern und über 34.000 Mitgliedern in der Liebscher & Bracht Facebookgruppe (Stand Mai 2019), konsequentem Newsletter-Marketing in Kombination mit Vorträgen, Büchern, um auch die zu erreichen, die nicht online sind, verfügt Liebscher & Bracht über eine enorme Reichweite und treue Fangemeinde. 
  • Nicht außer Acht gelassen sollte auch, dass hier auch ein Marktmodell dahinter steht. Das Buch „Die Arthroselüge“ gilt als Amazon-Bestseller. Im Onlineshop von Liebscher & Bracht können Betroffene Faszienrollen, Nahrungsergänzungsmittel, etc. erstehen.

 

 Fazit von Arthrose Bloggerin Barbara Egger zur Arthroselüge

  • Der Liebscher und Bracht Arthroselüge Vortrag in Innsbruck bestärkt mich, weiterhin am persönlichen Selbstmanagement für Arthrose festzuhalten.
  • Sich über alle Behandlungsmethoden und -möglichkeiten zu informieren und daraus in Absprache mit dem behandelnden Arzt, Therapeuten, etc. ein Bündel und Maßnahmen zu schnüren, ist und bleibt aus Betroffenensicht der richtige Weg.
  • Ob Betroffene einen Liebscher & Bracht Schmerztherapeuten aufsuchen bzw. die Schmerzanleitungen in den Videos für sich ausprobieren, bleibt letztlich eine persönliche Entscheidung. In Österreich gibt es zudem hervorragend ausgebildete Physiotherapeut*innen. Meine Empfehlung wäre, diese auch zu Rate ziehen!
  •  Zustimmen kann man Roland Liebscher-Bracht, wenn er sagt, dass vor einer OP möglichst alles versucht werden sollte. Auch für Hyaluron-Infiltrationen und Ähnliches gebe man Geld aus und wisse letztlich nicht ob und wie lange es hilft.

 

  • Betroffene sollten sich darauf konzentrieren, worauf es bei #Arthrose ankommt. Nämlich auf das so wichtige (kritische und hinterfragende) #Selbstmanagement! Jeder kann und soll für sich selbst entscheiden, was einem gut, was sinnvoll ist und was weiterhelfen könnte. Natürlich immer in Verbindung eines direkten und beratenden Arztgesprächs.
  • Letztlich behauptet ja nicht nur Liebscher & Bracht, dass Arthrose heilbar ist, auch die Ganzheitliche Arthrose Therapie (GAT) geht davon aus, dass Arthrose durch Ernährung heilbar ist.
  • Wie sich nun der Blumenstrauß (also eine Vielzahl oder Mischung aus Therapien) zusammensetzt oder ob Betroffene auf eine ganz bestimmte Behandlungsmethode setzen, ist letzten Endes immer eine individuelle Entscheidung. So wie wir auch als Persönlichkeiten verschieden sind. Hauptsache der Alltag lässt sich mit weniger Schmerzen oder schmerzfreier gestalten. Hauptsache eine OP steht erst am hintersten Ende der Behandlungskette. Hauptsache Bewegung ist möglich!
  • Aus meiner Sicht deshalb aufschlussreich, wären seriöse objektive Langzeit-Studien, inwiefern sich durch die Liebscher & Bracht Methode tatsächlich OPs, künstliche Gelenke, etc. hinauszögern und Schmerzen langfristig vermeiden lassen.

 

 

Weitere Stimmen zur Arthroselüge

Liebscher & Bracht hat tausende Anhänger, steht aber auch in der Kritik. Hier eine Liste an Links von Bloggern, Plattformen und Institutionen, die sich mit dem der Schmerztherapie von Liebscher und Bracht auseinandersetzen.

Link zum Artikel  und Video „Die Arthroselüge – kann man Arthrose heilen? von Dr. Tobias Weigl von Video Visite 

www.doktorweigl.de/beschwerden/stimmt-die-arthrose-luege-arthrosis-deformans-symptome-und-behandlung-334

Link zum Artikel „Liebscher & Bracht – wer heilt hat (immer) Recht?“ von Peter Herrchen, Arthroseblogger und Buchautor (Mut zur neuen Hüfte) vom 19. 11.2017

endoprothese-und-sport.de/2017/11/18/liebscher-bracht-wer-heilt-hat-immer-recht/#comment-11719

Link zum Artikel „Die Liebscher & Bracht Therapie – Eine Kritik“ vom 28.10.2016

evidenzbasiertephysiotherapie.de/die-liebscher-und-bracht-therapie-krtitk

Link zum Artikel „Fibromyalgie – gibt`s doch gar nicht – eine Kritik an Liebscher & Bracht“ von der Bloggerin Fibrofee vom 12.3.2017

fibrofee.de/fibromyalgie-gibts-doch-gar-nicht-die-ignoranten

EDIT Mai 2019

Die Arthroselüge von Liebscher und Bracht

Am 25. Mai 2019 berichtet die österreichische Tageszeitung Kurier über einen Vortrag von Roland Liebscher-Bracht in Wien. Der Österreichische Physiotherapeutenverband reagiert darauf mit einem Fachkommentar von Physiotherapeut Bernhard Taxer.

kurier.at/gesund/roland-liebscher-bracht-der-youtube-star-der-schmerzgeplagten

www.physioaustria.at/news/medienauftritt-liebscher-bracht

Wenige Tage zuvor berichtet der ORF Salzburg am 23. Mai 2019 über eine Studie am Salzburger Unfallkrankenhaus. Es soll untersucht werden, wie man mit konsequenten Dehnungsübungen nach Liebscher & Bracht und psychotherapeutischen Maßnahmen Knieschmerzen ohne Operation und ohne Medikamente therapieren kann. Ziel ist es einen Teil der rund 500 Knieoperationen im Jahr zu vermeiden.

salzburg.orf.at/news/stories/2983335

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