Aktualisiert am by Tirolturtle Barbara Egger

Arthrofibrose am Knie behandeln: Im Arthrose Forum Austria-Blog erklären die Innsbrucker Gelenkspezialisten Dr. Ralf Rosenberger und Dr. Thomas Achammer, wie wichtig die exakte Abklärung und ganzheitliche Therapie ist.

Was ist Arthrofibrose und wie kann man Arthrofibrose am Knie behandeln? Um diese Fragen zu klären, ist es für Betroffene wichtig zu wissen, was hinter dem Begriff Arthrofibrose steckt.

Unsere Arthrose Bloggerin Barbara Egger (bloggt unter dem Namen Tirolturtle über Arthrose und das Selbstmanagement von Arthrose) hat dazu Priv. Doz. Dr. Ralf Rosenberger, Facharzt für Unfallchirurgie an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie Innsbruck und Gründer der Innsbrucker Praxisgemeinschaft Movia Med sowie Dr. Thomas Achammer, Facharzt für Orthopädie & Orthopädische Chirurgie mit Praxis in Innsbruck und Belegarzt an der Privatklinik Hoch-Rum befragt.

„Arthrofibrose ist die Bezeichnung für eine bei Patienten und Behandlern gefürchtete krankhafte Vermehrung von Bindegewebe in einem Gelenk. Ausgelöst durch einen übermäßigen Entzündungsprozess kann sie nach einer Operation zu einer ausgeprägten Funktionseinschränkung des betroffenen Gelenks führen, gepaart mit Schwellung, Rötung, Ergussbildung und Schmerzen“, so Dr. Ralf Rosenberger.

Arthrofibrose am Knie behandeln 

Die Krankheitsentstehung sei laut dem Innsbrucker Kniespezialisten bisher zwar nicht eindeutig geklärt. Störungen im vegetativen Nervensystem  dürften aber eine große Rolle spielen. Als potentielle Risikofaktoren für die primäre Arthrofibrose angesehen werden zudem eine genetische Prädisposition, Rauchen, Physiotherapie über die Schmerzschwelle, zu frühzeitiges Muskeltraining nach einer Operation, Voroperationen oder eine bereits präoperativ stark eingeschränkte Beweglichkeit am betroffenen Gelenk. Die Symptome treten eher zeitnah nach einer Operation auf.

Wie Dr. Ralf Rosenberger im Interview mit Arthrose Forum Austria weiters erklärt, beruht die sekundäre Arthrofibrose meist auf mechanischen Faktoren wie die Lockerung oder Fehlpositionierung eines Implantats. Erste Symptome würden sich hier manchmal erst Monate oder Jahre nach der Operation bemerkbar machen.

Für den therapeutischen Erfolg entscheidend ist in jedem Fall eine exakte Abklärung des Patienten!

„Da die Ursache für Arthrofibrose so vielfältig ist, bedarf es eines entsprechend breitentherapeutischen Ansatzes und viel Erfahrung“, ergänzt dazu der Innsbrucker Orthopäde Dr. Thomas Achammer. Denn Dank des multimodalen Therapieansatzes der Integrativen Medizin könne vielen Arthrofibrose Patienten heutzutage geholfen werden.

Aktuell behandeln die Gelenkspezialisten Dr. Ralf Rosenberger und Dr. Thomas Achammer einen nicht alltäglichen Arthrofibrose-Fall.

Der Patient, 65 Jahre, männlich hat seit 2009 eine Teilprothese im rechten Kniegelenk und seit Mai 2019 eine Totalendoprothese im linken Kniegelenk. Nach erfolgreicher OP und Entlassung aus dem Krankenhaus mit einer Beugung von 95 Grad, verschlechterte sich der Zustand am Knie des Patienten zusehends.

Das Gewebe rund um das Knie entzündete sich immer stärker, das Knie war geschwollen und „heiß“, der Bewegungsumfang wurde immer geringer. Damit einher ging eine schlechte psychische Verfassung des Patienten. Schließlich sollte das neue Knie den jahrelangen Leidensdruck verringern, ja wenn möglich beenden.

Arthrofibrose am Knie behandeln

Auch die mittlerweile angetretene dreiwöchige REHA brachte dem Patienten keine Besserung. Am Ende der REHA stand eine Beugung von 65 Grad. Schwer beeinträchtigt, wendete sich der Patient an seinen Operateur Dr. Ralf Rosenberger. Gemeinsam mit Orthopäde Thomas Achammer und Physiotherapeut Mathias Nagl von der Therapie am Berg Isel wurde ein maßgeschneidertes Therapiekonzept entworfen.

  • Um dem Entzündungsprozess entgegenzuwirken, wurden zuerst spezielle Medikamente verabreicht
  • und das tägliche Trainingsprogramm heruntergefahren um Stress vom Kniegelenk zu nehmen.
  • Ab sofort standen osteopathische Heilverfahren im Vordergrund um die Überaktivität im vegetativen Nervensystem zu reduzieren.
  • Ergänzend kam eine gelenkschonende medizinische Trainingstherapie und klassische Physiotherapie mit Lymphdrainage zum Einsatz.
  • In dieser Phase ist es entscheidend, dass der Patient über Krankheitszusammenhänge gut informiert ist und aktiv in die Therapiegestaltung mit eingebunden wird, sind sich alle Beteiligten einig.
  • Aus Sicht der ganzheitlich ausgerichteten Medizin kommen zusätzlich Erkenntnisse aus der Ernährungslehre, psychologische Methoden, Heilmittel aus der Naturheilkunde und Elemente asiatischer Bewegungslehren wie Qi Gong  oder Yoga individuell zum Tragen.

 

Sind die vielfältigen Möglichkeiten einer konservativen Therapie ausgeschöpft, rückt die chirurgische Revisionsoperation in den Fokus. Manchmal reicht für die Wiederherstellung eines guten Bewegungsumfanges bei Arthrofibrose eine minimalivasive Arthroskopie aus. Ansonsten werden die Vernarbungen im Gelenk und an der Oberschenkelmuskulatur im Rahmen einer offenen Operation gelöst. Ist das Implantat gelockert oder fehlplatziert, muss das Implantat gewechselt werden. Dies ist aber bei dem betroffenen Patienten nicht der Fall. Die Prothese sitzt wie angegossen und macht keinerlei Probleme. Wäre die Arthrofibrose nicht dazwischengekommen, hätte der betroffene Patient, wie er selbst sagt, keine Schmerzen mehr.

Die auf den Patienten maßgeschneiderte Behandlung der Arthrofibrose gehört in die Hände von Spezialisten!

Insgesamt gilt: Arthrofibrose-Betroffene sollten sich sehr gut informieren. Zum einen braucht es ein maßgeschneidertes Therapiekonzept, das ausschließlich von den behandelnden Ärzten und Therapeuten in Abstimmung mit dem Patienten erstellt und überwacht werden soll. Sind operative Eingriffe bei Arthrofibrose nötig, dann sei es laut Dr. Ralf Rosenberger dringend angeraten, sich an Gelenkspezialisten zu wenden die mit schmerzhaften Prothesen, Arthrofibrose und Wechseloperationen große Erfahrung haben.

Für weitere Fragen empfehlen wir: 

Wie es mit dem Fall des betroffenen Patienten weitergegangen ist, welche Erfolge erzielt wurden, erfahren Interessierte und Betroffene im direkten Austausch in unsere Arthrose Facebookgruppe. Einfach beitreten und mitdiskutieren. Hier der Link zur digitalen Selbsthilfegruppe Arthrose Forum Austria – Hilfe, Infos, Tipps. 

Bei medizinischen Fragen zum Thema Arthrofibrose stehen die Innsbrucker Fachärzte Priv.-Doz. Dr. Ralf Rosenberger und Dr. Thomas Achammer zur Verfügung. Wir leiten mögliche Anfragen gerne weiter. Oder Betroffenen wenden sich direkt per Telefon Nr.+43 664 36 400 67 an die Praxisgemeinschaft Moviamed.

Für vertiefende Informationen zur Arthrofibrose empfehlen wir folgende Links:

NDR-Visite – Arthrofibrose: Schmerzen nach Gelenk-OP

SFR Schweizer Fernsehen – Arthrofibrose – Das unsichtbare Wuchern nach der Knieoperation

Blog Knie Marathon  – Arthrofibrose Therapie – Hoffnung für das vernarbte Kniegelenk (dreiteilige Serie)

Noch ein Wort zur Arthrofibrose Forschung:

In Deutschland beschäftigt sich u.a. Dr. Philipp Traut, Orthopädische Beratung und Begutachtung mit Praxis in Bad Oeynhausen intensiv mit dem Thema Arthrofibrose. Auf der Homepage von Dr. Philipp Traut stehen zahlreiche Fachartikel zum Thema Arthrofibrose wie zum Beispiel Primäre Arthrofibrose nach Knie-Endoprothetik als Download zur Verfügung.

Auf der Homepage von Dr. Philipp Traut ist Folgendes nachzulesen: 

„Auch in der Orthopädie und Unfallchirurgie entwickelt sich besonders nach Knieoperationen (Gelenk- oder Kreuzband-Ersatz) in etwa 10 Prozent eine Arthrofibrose, die zu deutlichen Funktionseinschränkungen im Alltag und Beruf mit oft erheblichen Schmerzen führt. Bisher wird diese schwerwiegende Komplikation oft zu selten und zu spät diagnostiziert, sodass es zu langen Krankheitsphasen und frustanen physiotherapeutischen sowie operativen Behandlungen (Narkosemobilisationen, Arthrolysen) kommt.

Das wichtigste Ergebnis der Fibroseforschung belegt, dass mechanische Dehnung der Fibroblasten (narbenbildende Zellen) zu deren Aktivierung führt mit vermehrter Produktion der Xylosyltransferase (XT), dem Enzym, dass für die normale aber auch für die überschiessende Vernarbung verantwortlich ist. In der aktuellen Nachbehandlung in Klinik und Rehabilitation werden diese Forschungsergebnisse noch zu wenig berücksichtigt.

Weiterhin findet die autonome/vegetative Steuerung der Heilungsprozesse noch zu wenig Beachtung, sodass wichtiges therapeutisches Potential nicht genutzt werden kann. Verringerung von Dysbalancen im sympathischen und parasympathischen System durch geeignete physiotherapeutische Maßnahmen können ursächlich die Heilungsprozesse positiv beeinflussen.“

Foto: Fotolia/Adobe Stock

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